
Jeden Tag tippen wir Adressen ein, die mit drei Buchstaben beginnen, über die kaum jemand nachdenkt: www. Sie sind so selbstverständlich geworden wie der Lichtschalter an der Wand.
Dabei gab es das alles vor etwas mehr als 35 Jahren noch nicht – und die Idee dahinter entstand nicht in einem Technologiekonzern, sondern in einem Physiklabor.
Ein Problem, das jeder kennt, der je in einem Büro gearbeitet hat
Die Geschichte beginnt am CERN, dem großen Teilchenphysiklabor bei Genf. Dort arbeitete Ende der 1980er-Jahre ein britischer Informatiker namens Tim Berners-Lee. Das Problem, das ihn beschäftigte, war erstaunlich banal und zutiefst menschlich: Am CERN forschten Tausende Wissenschaftler, sie kamen und gingen ständig, und sie hinterließen unzählige Dokumente auf den unterschiedlichsten Computern. Niemand fand mehr etwas wieder.
Wer eine bestimmte Information suchte, musste wissen, auf welchem Rechner sie lag, wie dieser Rechner zu bedienen war und in welchem Format das Dokument vorlag. Eine Notiz hier, ein Bericht dort, eine Adressliste auf einem dritten System – alles voneinander getrennt, alles in eigenen Inseln eingesperrt.
Berners-Lee hatte eine einfache Idee: Was, wenn man Informationen nicht mehr in Inseln aufbewahren, sondern über Verweise miteinander verbinden würde? Was, wenn ein Dokument auf ein anderes zeigen könnte – mit einem einzigen Klick, egal auf welchem Computer das andere Dokument lag? 1989 schrieb er einen Vorschlag dafür. Sein Vorgesetzter notierte am Rand: „Vage, aber spannend.“
Der wichtigste Satz dieses Artikels
Bevor es weitergeht, muss eine Verwechslung aus dem Weg geräumt werden, der fast alle aufsitzen – und die das Verständnis der ganzen Geschichte verändert:
Das World Wide Web ist nicht das Internet. Und Tim Berners-Lee hat nicht das Internet erfunden.
Das klingt überraschend, ist aber zentral. Das Internet – also die weltweite Vernetzung von Computern, die Daten untereinander austauschen können – gab es da längst. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1969 zurück, zum sogenannten ARPANET, einem Forschungsnetz in den USA. In den 1970er- und 1980er-Jahren wuchs daraus nach und nach das Internet, wie wir es im Kern bis heute kennen. Als Berners-Lee 1989 seinen Vorschlag schrieb, war dieses Netz also schon zwei Jahrzehnte alt.
Was er erfand, war etwas anderes: eine Methode, um Dokumente über dieses bestehende Internet miteinander zu verknüpfen. Das World Wide Web ist nicht das Netz selbst, sondern das, was darauf läuft.
Ein Bild macht es deutlich: Das Internet ist das Straßennetz – die Kabel, die Leitungen, die Verbindungen zwischen den Computern. Das World Wide Web ist der Verkehr aus verlinkten Seiten, der auf diesen Straßen unterwegs ist. Es gab die Straßen also schon. Berners-Lee erfand die Fahrzeuge, die Verkehrsregeln und die Wegweiser, die das Reisen darauf erst für jedermann nutzbar machten. E-Mail zum Beispiel fuhr da bereits auf denselben Straßen – das Web kam als ein weiterer, besonders erfolgreicher Verkehr hinzu.
Drei Bausteine, die heute jeder benutzt – ohne es zu wissen
Damit dieses Web funktionieren konnte, brauchte es drei Dinge. Berners-Lee entwarf sie alle drei zwischen 1989 und 1991. Und das Erstaunliche ist: Sie sind bis heute das Fundament, auf dem das gesamte Web steht.
Erstens: eine Adresse für jedes Dokument. Jede Seite im Web braucht eine eindeutige Anschrift, damit man sie wiederfindet. Das ist die Web-Adresse, die Sie oben in der Adressleiste Ihres Browsers sehen. Fachleute nennen sie URL – aber im Grunde ist sie nichts anderes als die Postanschrift eines Dokuments.
Zweitens: eine Sprache, um Seiten zu gestalten und zu verlinken. Damit ein Computer weiß, was eine Überschrift ist, was ein Absatz und – das Wichtigste – wo ein Verweis auf eine andere Seite steckt, brauchte es eine gemeinsame Sprache. Diese Sprache heißt HTML. Jede Website, die Sie heute besuchen, ist in ihr geschrieben.
Drittens: eine Methode, wie Computer diese Seiten austauschen. Wenn Ihr Computer eine Seite anfordert und der ferne Computer sie schickt, müssen beide dieselbe Verständigung verwenden. Das ist HTTP – jenes „http“, das früher am Anfang jeder Web-Adresse stand und das viele ältere Leser noch mühsam mitgetippt haben. Heute ergänzt der Browser es meist von selbst, weshalb es kaum noch auffällt.
Adresse, Sprache, Austauschmethode: Diese drei Bausteine benutzen Sie in dieser Sekunde, während Sie diesen Text lesen. Die meisten Menschen haben nie davon gehört – und das ist vielleicht das beste Zeichen dafür, wie gut die Erfindung war.
Ein Computer mit einem handgeschriebenen Zettel
Die frühen Jahre des Web haben etwas rührend Bescheidenes. Der allererste Webserver der Welt war kein gewaltiges Rechenzentrum, sondern ein einzelner Computer auf Berners-Lees Schreibtisch – ein sogenannter NeXT, gebaut von der Firma, die Steve Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple gegründet hatte.
Auf diesem Rechner klebte ein handgeschriebener Zettel mit der Aufschrift: „This machine is a server, DO NOT POWER IT DOWN“ – „Diese Maschine ist ein Server, NICHT AUSSCHALTEN“. Denn hätte jemand den Computer aus Versehen vom Strom getrennt, wäre ein guter Teil des damaligen Web schlicht verschwunden.
Die allererste Website ging am 6. August 1991 online. Sie war so unspektakulär, wie man es sich nur vorstellen kann: eine schlichte Seite, die erklärte, was das World Wide Web überhaupt ist und wie man selbst Seiten erstellen kann. Kein Bild, keine Farbe, kein Schnickschnack – nur Text und Verweise. Diese Seite existiert bis heute in rekonstruierter Form und ist weiterhin online abrufbar, unter ihrer ursprünglichen Adresse beim CERN.
Der Moment, in dem das Web für normale Menschen interessant wurde, kam 1993. In diesem Jahr erschien Mosaic, der erste weit verbreitete grafische Browser. Er konnte Bilder und Text gemeinsam auf einer Seite darstellen – etwas, das uns heute selbstverständlich erscheint, damals aber einer kleinen Offenbarung gleichkam. Plötzlich war das Web nicht mehr nur etwas für Physiker und Computerfachleute, sondern etwas, das man ansehen mochte.
Die Entscheidung, die alles veränderte
Und nun zum zweiten Punkt, der die meisten Menschen überrascht – und der vielleicht der wichtigste der ganzen Geschichte ist.
Das Web wurde verschenkt.
Am 30. April 1993 stellte das CERN die Web-Technologie unwiderruflich und gebührenfrei für jedermann zur Verfügung. Kein Patent, keine Lizenzgebühren, keine Bedingungen. Wer einen Webserver betreiben oder einen Browser bauen wollte, durfte das tun – ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen und ohne einen Cent zu zahlen.
Das war keineswegs selbstverständlich. In den frühen 1990er-Jahren gab es durchaus konkurrierende Systeme, mit denen man Informationen über das Internet zugänglich machen konnte. Manche davon waren technisch ausgereifter als das Web. Und für manche wurden Gebühren erhoben – was viele potenzielle Nutzer abschreckte.
Hätte das CERN oder Berners-Lee für das Web Lizenzgebühren verlangt, hätte sich die Geschichte vermutlich völlig anders entwickelt. Das Web wäre eines von mehreren konkurrierenden, untereinander unverträglichen Systemen geblieben – und möglicherweise nicht einmal das erfolgreichste. Dass jeder es kostenlos und ohne Erlaubnis nutzen, weiterentwickeln und darauf aufbauen durfte, war genau der Grund, warum sich alle Welt darauf einigte. Die Offenheit war kein netter Nebeneffekt. Sie war die Voraussetzung für alles, was danach kam.
Aus einem Dokumentenproblem wurde die Welt
Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten und das Ausmaß zu betrachten. Eine Lösung für ein internes Ablageproblem in einem Physiklabor – „niemand findet hier seine Dokumente wieder“ – wurde zur Infrastruktur, auf der heute ein Großteil des Lebens stattfindet. Einkaufen, Bankgeschäfte, Nachrichten, Behördengänge, das Wiedersehen mit alten Freunden, das Nachschlagen einer Telefonnummer: All das läuft über jene drei Bausteine, die zwischen 1989 und 1991 in Genf entworfen wurden.
Bemerkenswert ist auch, was nicht geschah. Tim Berners-Lee wurde durch seine Erfindung kein Milliardär. Er hätte es vermutlich werden können, hätte er das Web zu Geld gemacht. Stattdessen ist er heute Hochschulprofessor und setzt sich seit Jahrzehnten für ein offenes, freies Web ein – für die Idee also, die das Web überhaupt erst groß gemacht hat.
Das Web war nie ein fertiges Produkt eines Unternehmens. Es war eine Idee, die verschenkt wurde, weil ihr Erfinder verstand, dass sie nur dann etwas wert sein würde, wenn sie allen gehörte.
Erinnern Sie sich noch?
Viele unserer Leser haben die Anfänge des Web in den 1990er-Jahren selbst miterlebt – und genau hier wird die Geschichte persönlich. Erinnern Sie sich noch an die erste Website, die Sie je besucht haben? Wann sind Sie zum ersten Mal „online“ gegangen – und wie hat sich das angefühlt? Das kratzende, piepsende Geräusch des Einwahl-Modems haben viele bis heute im Ohr.
Wie sah das Web damals für Sie aus, und was hat Sie am meisten überrascht, als Sie es zum ersten Mal sahen? Erzählen Sie es uns gern in den Kommentaren – wir sind neugierig auf Ihre Erinnerungen.
Kommentare
Was mich wunderte, dass sich BTX in Deutschland und Österreich nicht durchsetzte, in Paris aber in jedem Haushalt zu finden war.
Als ich am 10. November um sieben Uhr das Radio einschaltete, hörte ich von dem, was in Berlin geschehen war. Vor Rührung habe ich geweint.
https://www.dzg.one/Michael-Wolski_1989-Mauerfall-Berlin_Ein-Rueckblick-nach-35-Jahren
US Robotics Modem mit HST (14400 Baud).
Das muss wohl 1993 gewesen sein.
Ja so war es damals: entweder Netz oder Telefon:-) .
Ich habe meinen geliebten 286er damals einem Mitschüler verkauft, um mir mit dem Geld einen neuen Rechner zu leisten. Der Mitschüler hatte ihn dann innerhalb von zwei Wochen kaputt gemacht und ich hatte es dann bereut, meinen treuen 286er zu verkaufen. :-(
Erst mit meiner ersten MS-Dose (ein Computer mit dem Betriebssystem Microsoft Dos) wurde ich auf das WWW aufmerksam.
Woran ich mich auch erinnere, ist, dass wir bereits bei AOL so etwas wie eine Netiquette hatten.
Das vermisse ich heute am meisten.
sonst brach mein Downl. ab.
Ich bin seit Januar 1996 dabei, damals natürlich privat mit Modem (28.8er, später ISDN), geschäftlich bei einem Pilotprojekt angestellt gewesen, das damals schon Kabelhaushalte mit Settop-Boxen über Coax-Kabel rückkanal-fähig angeschlossen hat. Wir haben damals schon streaming media erprobt, reichlich bevor YouTube überhaupt geboren war.
Später war ich dann bei einem lokalen ISP angestellt, dann bei UUNET, danach dann bei einem City Carrier.
Es waren tolle und "wilde" Zeiten und manchmal komme ich mir vor, wie Oma, die vom Krieg erzählt ...
Dann mit Anbindung unserer Uni 1994: Einwahl über 9.600Bd-Modem, es gab 6 Modemzugänge... Gleich eine Homepage für unsere Ini auf dem damalig rudimentären Uni-Server eingerichtet... (Hätte die Unileitung das damals mitbekommen, hätte es echt Stunk gegeben. Aber sie haben das "Internet" damals gar nicht auf dem Schirm gehabt und nicht ernst genommen).
Und dann die ganze DSL-Geschichte – zunächst noch mit zeitbegrenztem Zugang. Später dann mit "Flatrate"...
Einen Fehler empfinde ich die Aufhebung der Trennung zwischen Telefonnetz und DSL-Zugang. Fällt heute die Internetanbindung aus, ist auch das Telefonnetz nicht zu erreichen. Das könnte in vielen Fällen (nicht nur in Krisen) ein wirkliches Problem darstellen.
Toller Artikel!
Vor einer Ewigkeit hatte ich auch meine erste UNIX-Workstation, die hatte zu dem Zeitpunkt keine andere Möglichkeit zum Austausch von Dateien (vielleicht noch `rcp`, den prä-Kryptografie Vorläufer von `scp`, dass dann aber nur via TCP/IP und Ethernet).
Zum Glück konnte ich mich in der Uni auf einer kompatiblen Maschine (selbe CPU-Architektur und selbes UNIX-System) bei den GNU-Tools frei bedienen und hatte auch einen anderen Rechner, auf dem ich UUCP am laufen hatte (damals schon für e-Mail), so dass es kein grosses Ding war, die Programme von Diskette auf die UNIX-Maschine zu übertragen.
Die erste private Homepage entstand 1996 - HTML Pur.
Und da ich bereits verschiedene Bücher beim ABC-Bücherdienst über *TELEBUCH# auf BTX gekauft hatte, wurde ich plötzlich Kunde (durch Übernahme von telebuch.de) einer Firma, die so ähnlich heißt wie ein Fluss in Südamerika. Vielleicht kennt jemand das Unternehmen. Und so steht in meinem Account "Kunde seit 1996". Eine Musik-CD, Ende der 90er dort gekauft, kann ich heute noch herunterladen.
https://www.museumseisenbahn.de/dev1996/homepage.htm
Dann kam ein Modem mit V90 und V.34 ins Haus und Zugang zu Compuserve. Dort gab es einen großen internen Bereich, aber auch Übergänge zu www, smtp, pop und news. Die Geschwindigkeit wuchs im Lauf der Jahre bis 56000 Baud (US Robotics Modem).
Um die Jahrtausendwende gab es dann endlich eine direkte Einwahl ins Internet per ISDN, als PC-Steckkarte die AVM Fritz!Card. Das waren dann stabile 64 kB und die Telefonleitung war nicht mehr besetzt.
Wenn ich denke, dass ich mal mit 300 Baud angefangen habe und heute 1 Gigabit habe, sind das rund 3 Millionen mal schnellere Leitungen. Kaum vorzustellen, wie sich das entwickelt hat.
1991 kaufte ich einen Armstradt PC, der eine eingebaute Festplatte von 65 MB hatte. Größere gab es nicht. Der 286er DC PC hatte einen Farbildschirm und war mit MIT 12 MHz getaktet, konnte aber mittels Taste auf 20 MHz getrieben werden. Dafür zahlte ich 3999,00 DM, Da Auslaufmodell. Der reguläre Preis war über 8000 DM.
Mittels Modem wählte ich mich ein und kommunizierte über das FIDO-NETZ mit Leuten in aller Welt. Es gab ein Treffen der Gruppe der regionalen FIDO-Nutzer, wo ich das erste Mal vom Internet hörte. Wenig später nutzte ich das Internet über AOL.
Es gab wenig Kommerz, man machte fast täglich aufregende Entdeckungen im Netz. Es gab Zeitschriften, welche unregelmäßig erschienen und sehr interessante Adressen und Anleitungen veröffentlichten. Eine Zensur der Informationen fand praktisch nicht statt und die Suchmaschine lieferte stimmiger Ergebnisse an Stelle der heutigen Verkaufslinks oder Hinweise auf die Datenschutzverordnung der EU.
Euer Vintage spider
War 1992 der Erste in der Firma, der sonntags emails lesen und beantworten konnte (Einwahl ins Firmennetz über Modem von Zuhause).
Habe seither alle Entwicklungen mitgemacht.
War 1990 auf einer Konferenz, dort wurde bereits auf die gewaltige Datenmenge auf den Servern hingewiesen und dass die meiste Info ja schnell veraltet, also sollte ein "selbstlöschendes" Dateiverzeichnis her, das nach einer bestimmten Zeit die alten Dateien löscht. Es gab zu viele Bedenken dagegen, heute wäre das sicher ein wertvolles tool, vielleicht macht das ja noch einer.
In der Reihe hinter mir saßen die zukünftigen Entwickler des ersten NSCA Web-Browsers.
Was ich aber an diesem Blogpost viel interessanter finde, ist der nachdrückliche Hinweis darauf, dass der überwältigende Erfolg des WWW letztlich darin begründet lag, dass es kostenlos verschenkt wurde und für jedermann ohne Beschränkung zugänglich war. Da sehe ich eine Parallele zu einer anderen Erfolgsgeschichte im Netz, nämlich der Wikipedia, deren überwältigender Erfolg auf eben demselben Prinzip beruht. Beides sind Beispiele dafür, welche ungeheuren Vorteile für alle der freie und unbeschränkte Zugang zu Informationen jenseits kommerzieller Interessen bringt.
Meine ersten Internet-Gehversuche waren 1998, als ich meine Ausbildung zum Informatikkaufmann begann. Hatte damals ein 14.4k-Modem, was damals schon veraltet war. Habe dann schnell ein 56k-Modem besorgt. Beeindruckt hat mich fast alles, was man im Internet machen konnte: Mails versenden und empfangen, mit Leuten chatten, die man gar nicht kennt, verschiedenste Software herunterladen und ausprobieren.
Im Jahr 1999, oder war es schon 2000 (?) war ich einer der ersten, der DSL hatte. Das war wirklich nochmal eine deutliche Verbesserung. Kann man sich ungefähr so vorstellen, wie der Umstieg von Diskette auf CD-Rom.
Das Internet hat sich im Laufe der Zeit ziemlich gewandelt. Die Grundprinzipien bestehen schon, aber trotz höheren Sicherheitsmechanismen, ist das Internet gefährlicher als früher. Außerdem gibt es zu viel Werbung, soziales Netzwerke, die alles andere als sozial sind und viel zu viel dubiose Angebote im Netz, aber das ist jetzt meine Meinung. Ich will aber auch die guten Dinge nicht vergessen: Noch nie war es so einfach, sich über Dinge zu informieren, Sachen zu bestellen, Unterhaltung jeglicher Art zu finden, oder auch mit netten Menschen einfach in Kontakt zu bleiben.
Und vorher schon BBS. Die Druckerhersteller haben früh bemerkt, dass herunterladen lassen günstiger und schneller ist als Diskettenpostversand. Das war der Beginn.
Nach CS war es bluewin (Swisscom, CH). Mit dem Abo bekam man eine CD mit dem Browser Netscape drauf. MS hatte keinen Browser!
Ich hatte glaube ich jedes Modem und hohe Telefonrechnungen und Ärger mit den Mitbewohnern weil immer besetzt.
Und im Web waren alle so nett. Kein HTTPS, keine Firewall, alles möglich.
Heute sind wir bei MFA, X-Mal täglich...
'Ausmenschen' wird das genannt, sich gegenüber einer Maschine als Mensch ausweisen.
Aber es bleibt spannend, KI ist jetzt auf den uralten, digitalen Strassen unterwegs...
Zugang über 56k-Modemgepiepse, alle waren perplex dass man Seiten aus Amerika ansehen konnte und das kostete nichts.
Jahre später habe ich meine eigene Domain angemeldet und mit MS-Word meine erste eigene Homepage erstellt. Ein langes Worddokument als HTML abgespeichert und mit ftp hochgeladen.
Auf der wayback-machine ist sie heute noch zu finden.
Meine 28800 waren dann schon ein richtiger Renner. Und natürlich nix Fachmann, einen Telefonstecker konnte ich schon damals selbst einstecken - und wenn es sein muss, weiss ich auch heute noch, an welchem Ende der Lötkolben heiss wird).
Als dann ISDN kam, hatten wir zwei Leitungen. Eine als normale Telefonleitung, die andere für mich, um mit 56k remote zu arbeiten. Telekom-Tarif 16.50 Franken PRO VERBINDUNGSSTUNDE. Ok, mein Chef hat es bezahlt, konnte auf Spesen abrechnen. Unvorstellbar heute, das wären dann weit über 11'000 Franken in einem durchschnittlichen Monat always-on!
Gerne habe ich ihn auf der Startseite zu Beginn verlinkt:
https://www.kolnet.de/
die angegebene Webite ist eine "rechte" Klima-Leugner und Schwurbler Seite die auch Werbung für die AFD macht.
Wollt Ihr wirklich auf so einer Seite verlinkt sein?
Ich habe von 1994-90 Informatik studiert und hatte in dieser Zeit schon Zugang zum Internet, damals Email, FTP, Usenet Newsreader und später auch IRC (Internet Relay Chat) teilweise sogar kontinent-übergreifend.
Email Adressen wurden noch überwiegend mit sog. "Bang" Pfaden angegeben, d.h. mit allen Zwischen-Servern auf dem Weg zur Ziel-Mailbox. In Deutschland kam ein Tranfer meistens über die Universität Dortmund "unido" herein, darum begannen viele Email Adressen auf Visitenkarten dort mit "...!unido!...".
Im Job (als Softwareentwickler) habe ich später dann das Aufkommen des WWW miterlebt, zuerst mit dem Mosaic Browser und später dann mit Netscape. Sehr gerne erinnere ich mich noch an den "Netscape Navigator Gold", die eierlegende Wollmilchsau. Der hatte Browser, Editor, Email Client und Usenet Newsreader komplett integriert. Später begannen dann die Browser Kriege und im Office Bereich setzten sich leider überwiegend Microsoft Windows Systeme mit Internet Explorer durch.
Privat habe ich auf einer Systems Messe in München um 1995/96 CompuServe kennengelernt und mir dann ein erstes Creatix 28.8k Modem gekauft und mich dort bei Compuserve angemeldet. Das war noch ein Abenteuer, mein erster Online Einsatz einer Kreditkarte, man konnte sich ein 5 Stunden Online Kontingent für diverse Dollar buchen und danach mußte man pro Stunde extra zahlen. Telefongebühren zum nächstgelegenen Einwahlknoten kamen noch hinzu, bei mir war das glücklicherweise nur ein Ortsgespräch.
Compuserve hatte zunächst eine Vielzahl eigener Foren in englischer und deutscher Sprache mit Downloadbereichen und Kaufmöglichkeit auch für Shareware Produkte. Um Online Zeiten zu reduzieren, konnte man sich einen Offline Reader beschaffen, um die Forenbeiträge und Downloads in einem Rutsch runterzuladen oder zu publizieren.
Compuserve hatte dann auch eine Anbindung ins Internet ermöglicht.
Zu dieser Zeit gab in den Buchhandlungen noch auf Papier gedruckte Verzeichnisse mit den URL Adressen bekannter Server nach Kategorien geordnet. Das Zeitalter der Verzeichnisdienste wie Yahoo, Altavista usw. begann erst langsam.
Ich beschaffte später noch ein etwas schnelleres ELSA Microlink 56k Modem.
Nach dem Aussterben der deutschen Foren und später auch der englischen Foren beendete ich meine Mitgliedschaft bei Compuserve und wechselte zu T-Online, wo ich noch eine Weile im Usenet unterwegs war neben dem Websurfen über Browser. Mit Tools konnte man auch dort versuchen, sich die Inhalte von Webseiten per Batch Download zu cachen, um sie dann hinterher offline anzuschauen, um die zeitbasierten Kosten zum T-Online Knoten klein zu halten.
Schließlich beendete ein Umstieg zu DSL 2000 via Splitter neben der analogen Telefonleitung meine Modemzeit irgendwann im ersten Jahrzehnt des aktuellen Jahrtausends.
HTML als Sprache war auch für Einsteiger noch begreifbar, jedenfalls bis HTML 3. Ich erinnere mich noch an die "Selfhtml" Übersichtsseiten von Stefan Münz. Mit Einführung von Cascading-Style-Sheets (CSS) habe ich mich dann abgewandt.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt ging die Entwicklung weg von Darstellung von Inhalten a la Tim Berners Lee in Richtung zu kommerziellem Design.
Obgleich Seiten wie CNN schon in den frühen 90ern unter Nutzung von Tabellen und einfachen Attributen ansprechende Seiten gebaut haben.
So weit, so gut. Den charakteristischen Modem Einwahl Sound habe ich noch heute im Ohr, sogar von eingebauten Modems in Notebooks - mein Dell Notebook von 2006 hatte noch eines integriert - welches ich bis zum Aufkommen von USB UMTS Sticks oder später Tethering über WLAN genutzt habe.
@SoftMaker: Macht weiter so!
Aber die Menschen mögen es.
Weil es so schön bunt ist.
Mir als altem Informatiker bricht da das Herz.
"Xanadu ist ein 1960 gegründetes Hypertext-Projekt von Ted Nelson"
und
"Xanadu scheiterte an seiner Komplexität. Das System wurde nie fertiggestellt; bis heute existieren nur Prototypen. Nelson hatte an der Harvard-Universität Philosophie studiert und war technisch nicht versiert genug, das System im Alleingang umzusetzen oder andere bei der Implementierung zu unterstützen."
und
"Richard Stallman störte die Geheimniskrämerei des Projektes Xanadu. U. a. dies bewog ihn, die Freie-Software-Bewegung zu begründen. Die Xanadu-Entwickler hatten den Staat sowie große Unternehmen, wie IBM, als ihre Feinde angesehen; sie befürchteten Missbrauch des Xanadu-Quelltextes durch diese."
Ich denke, diese Zitate erklären gut, warum WWW erfolgreich und Xanadu vergessen wurde.
Ich mag die Spielfilme, in denen noch mit Computern der ersten Generationen gearbeitet wird. Einfach unbeschreiblich, wie schnell alles über die Zeit gewachsen ist.
Man bedenke, dass auch das Apple Smartphone (wenn gleich die Gattung schon älter ist) erst vor knapp 20 Jahren auf dem Markt und kaum ein Gerät so wie aktuelle Smartphones die Welt bestimmen. Selbst heimische PCs sind mittlerweile schon wieder Auslaufmodelle.
Aber ohne W3 und Internet funktioniert in der modernen Welt kaum noch etwas. Einzig Strom ist mittlerweile noch wichtiger, denn ohne Strom auch kein Internet ;-)
Damals hat man Webseiten noch auf die niedrigen Datenraten optimiert.🤔 Ein Freund brachte mir die ersten Schritte in HTML bei und es entstand meine erste Webseite 😊
...jetzt fühle mich alt 🫣